Bohemiens im böhmischen Blätterwald. Die Zeitschrift „Moderní revue" und die Prager Moderne
Neil Stewart
Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2019
Die Moderní revue pro literaturu, umění, a život (Moderne Revue für Literatur, Kunst und Leben), die zwischen 1895 und 1924 fast dreißig Jahre lang monatlich erschien, war eine zentrale Institution der Prager Moderne und ein Katalysator der Modernisierung und Internationalisierung der tschechischen Kultur um 1900. Ihr aufwendiges und experimentelles Layout markiert den Beginn einer bibliophilen Tradition in Böhmen. Nach dem Ersten Weltkrieg allerdings verteidigt die Zeitschrift anachronistische Standpunkte und endet politisch als Organ der extremen Rechten – ein Prozess, der exemplarisch für die Wandlungen der Moderne stehen kann, für ihre prekäre Situation am Vorabend des Faschismus. Die vorliegende Studie rekonstruiert den Fall der Moderní revue unter angemessener Berücksichtigung historisch-soziologischer, ästhetischer, semiotischer und intermedialer Aspekte, dabei auch und gerade ihrem medialen Eigensinn Rechnung tragend, ihrem Charakter als einem komplexen ‚Text‘.
Neil Stewart, 1971 geboren, studierte Slawistik und ist seit 2009 Studienrat im Hochschuldienst in der Komparatistik an der Universität Bonn. Neben seiner universitären Tätigkeit ist er auch als Übersetzer tätig.
Paul Gebauer. Liberec: Národní památkový ústav, 2018
Ivo Habán und Anna Habánová
Das tschechische Nationale Denkmalamt, regionale Fachstelle in Liberec als Hauptverantwortlicher im Grant Nové realismy na československé výtvarné scéně 1918–1945 [Neue Realismusströmungen in der tschechoslowakischen Bildkunstszene 1918–1945] veröffentlichte Ende 2018 eine Monographie über den deutschschlesischen Maler der Neuen Sachlichkeit Paul Gebauer. Die Publikation liefert eine komplexe Darstellung diverser Aspekte von Gebauers Schaffen, das noch heute emotive Reaktionen hervorruft und zweifellos auch weiterhin ein Forschungsgegenstand bleiben wird.
Ivo Habán, 1977 in Brünn geboren, studierte Kunstgeschichte und Geschichte. Er hat sich auf Bildende Kunst und Kultur der deutschsprachigen bildenden Künstler und Künstlerinnen aus Böhmen, Mähren und Schlesien, die Klassische Moderne der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts sowie die Denkmalpflege mit Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert spezialisiert.
Anna Habánová, 1977 in Náchod geboren, ist als Sammlungskuratorin tätig und lehrt Geschichte an der Fakultät für Naturwissenschaften, Humanwissenschaften und Pädagogik der Technischen Universität Reichenberg/Liberec. Ihr Spezialgebiet ist die Bildende Kunst und Kultur der deutschsprachigen bildenden Künstler und Künstlerinnen aus Böhmen, Mähren und Schlesien und regionale Kunst und Kultur unter besonderer Berücksichtigung der Region Liberec.
Kurt Krolop: Studie o německé literatuře. [Studien zur deutschen Literatur.] Praha: Triáda 2018
Jiří Stromšík
Im Zentrum von Kurt Krolops Interesse stand immer die deutschsprachige Literatur aus den böhmischen Ländern – es ging v.a. um das Werk des aus Gitschin/Jičín gebürtigen Karl Kraus sowie um den Prager Autor Franz Kafka – und somit das Thema des historischen Wandels im alltäglichen Zusammenleben von Tschechen, Deutschen und Juden. Krolops Forschungsbereich war allerdings viel breiter. Krolops eingehende Kenntnisse der Goethe-Zeit bilden die Grundlage seiner Studien zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Seine Einleitungsstudien zum Werk u.a. von Novalis, Tieck, E. T. A. Hoffmann, setzten im Kontext der tschechischen Rezeption deutscher Klassik und Romantik Maßstäbe. Seine Aufsätze oder Gelegenheitsnotizen u.a. zu Karel Čapek, und Karel Poláček legitimieren ihn zugleich als Kenner der tschechischen und slawischen Kultur. Es handelt sich hierbei um Texte von seltener Objektivität und Ausgeglichenheit, die die nationalen Klischees und Vorurteile auf beiden Seiten des v.a. in den zwei letzten Jahrhunderten konfliktreichen, jedoch zugleich fruchtbaren Zusammenseins von Tschechen und Deutschen unterlaufen und ferner eine Menge an neuen, in älterer Forschung ignorierten Kenntnissen zutage fördern.